MARKRANSTÄDTER EISENBAHN-PAGE
INHALT "K-ZUG" KONTAKT
   
 

KATASTROPHENZÜGE DER DR

 
 
WAGEN FÜR DEN "E-FALL"
ZUSÄTZLICHE BETTENWAGEN FÜR DEN VERTEIDIGUNGSFALL
 
 
Abschließend zum Thema "Wagen und Technik" noch ein Sachverhalt, der nicht so ganz einfach darzustellen ist. Hier reicht es nicht mehr, die Inhalte vor allem als Techniker zu sehen... Wenn es dazu gekommen wäre, dass man in der maßgeblichen Schaltzentrale der DDR die im Folgenden beschriebene "Option" gezogen hätte, säßen wir jetzt wohl alle nicht mehr hier...
 
Ganz konkret geht es um Fahrzeuge, die die DR für einem möglichen Eintritt des Verteidigungsfall zur Erhöhung der Kapazitäten der K-Züge (und damit ihre "Überführung in Lazarettzüge") speziell vorgerüstet für den schnellen Umbau zu Behelfsbettenwagen vorhielt.
Dies waren Sachverhalte, die offenbar einer sehr hohen Geheimhaltungsstufe in der DDR unterlagen und wohl nur einem sehr kleinen Personenkreis umfänglich bekannt waren. K-Zug-Personalen war wohl bekannt, dass da Wagen mit speziellen Vorrüstungen innerhalb des ganz normalen Reisezugparks vorgehalten wurden - aber eben keine wirklich konkreten Dinge. Mutmaßungen sind bezüglich des Themas "K-Züge" so überhaupt nicht mein Ding - aber hier bleibt mir keine andere Wahl...
 
Im Falle einer kriegerischen Auseinandersetzung in Mitteleuropa war es im Warschauer Pakt so vorgesehen, dass die NVA auf dem Territorium der DDR auch die schienengestützten Verwundetentransporte (Lazarettzüge) für die Sowjetarmee zu übernehmen hatte. In einem solchen Fall wäre die Verantwortung für die Ausrüstung und den Betrieb aller 14 K-Züge direkt an die NVA übergegangen.
Um die zu erwartende große Anzahl von Verwundeten aufnehmen zu können war vorgesehen, die geringen Bettenkapazitäten der 14 K-Züge durch eine schnelle Zuführung von kurzfristig zu Behelfsbettenwagen umgerüsteten Reisezugwagen deutlich auf ein Vielfaches der K-Zug-Kapazitäten zu erhöhen. Ähnlich der bei der DB gewählten Verfahrensweise, im Bedarfsfall entsprechend vorgerüstete Reisezugwagen („Silberlinge“) kurzfristig als Krankenwagen / Bettenwagen umrüsten zu können, hielt auch die DR eine Anzahl von speziell vorbereiteten Reisezugwagen der Bauart Bmh („Halberstädter Mitteleinstiegwagen“) für eine ähnliche Umrüstung vor.
Eine bestimmte Anzahl Bmh-Wagen hatte entsprechende Vorrüstungen, um kurzfristig zu „Behelfsbettenwagen“ umgebaut zu werden und so aus den K-Zügen „ausgewachsene“ Lazarettzüge zu bilden.
 
Ein Reisezugwagen vom Typ Bmh der DR - einige dieser Wagen besaßen eine besondere Vorrüstung, um sehr schnell zu Behelfsbettenwagen für Lazarettzüge umfunktioniert werden zu können. Dank an Thomas Linberg, der mir das Bild zur Verfügung stellte.
 
Leider liegen keine belastbaren Angaben darüber vor, wie viele Wagen eine solche Vorrüstung hatten.
Mit etwas Mathematik lässt sich aber der ungefähre Bedarf solcher Fahrzeuge zumindest theoretisch ermitteln:
Geht man nämlich von der Ausschöpfung der Kapazität der Küchenwagen aus, kann man pro K-Zug von einem „Bedarf“ von 4 bis 5 umrüstbaren Bmh ausgehen. Dies ergäbe bei 14 Zügen eine Gesamtzahl von 56 bis 70 vorgerüstet vorzuhaltenden Bmh-Wagen…
Im einfachsten Fall hätten die betreffenden Bmh-Sitzwagen mit entsprechenden Ankerpunkten für die Anbringung der Tragenhalterungen ausgerüstet sein müssen. Und natürlich war die Ausrüstung mit Dampfheizung unabdingbare Voraussetzung. Andererseits waren auch Ort und Art der Einlagerung der Tragenhalterungen zu regeln.
Noch nicht in Erfahrung gebracht werden konnte in diesem Zusammenhang,
- ob die betreffenden Bmh auf die Bww mit einem (bzw. 2 im Falle Seddin) K-Zug im Bestand genau aufgeteilt waren – ob also die K-Zug-Bww in ihrem Reisezugwagen-Einsatzbestand auch die entsprechende Anzahl vorgerüsteter Bmh hatten,
- ob die entsprechenden Materialien für die Umrüstung (insbesondere die Tragenhalterungen, Krankentragen, Verdunklungseinrichtung) ebenfalls in den betreffenden Bww (unter Verschluss) eingelagert waren oder die Einlagerung an zentraler Stelle (z.B. RAW) erfolgt ist,
- durch wenn die Umrüstungen hätten erfolgen sollen – in Regie der betreffenden Bww oder zentral in einem RAW,
- ob die vorgerüsteten Bmh bestimmten Einschränkungen hinsichtlich des Einsatzes (z.B. kein Einsatz im internationalen Verkehr) unterlagen.
 
Die genauen Handlungsanweisungen zur Umrüstung der ausgewählten Bmh hätten die beteiligten Dienststellen der DR dann wohl nach der befohlenen Öffnung des Geheimdokumentes „Ausruf des Verteidigungszustandes“ erhalten.
 
     
  Anders als bei den für eine solche Umrüstung vorgesehenen Wagen der Bauart Bn724 der DB gehörten die vorgerüsteten Bmh ganz offensichtlich nicht zu einer eigenständigen, aus der Fahrzeugnummer ersichtlichen „Sonderbauart“, waren also nicht für Jedermann mit Hilfe der Wagennummer zu identifizieren.  
     
  Für die Unterbringung des Personals der Lazarettzüge wären neben der Erhöhung der Anzahl der Bettenwagen für die Verwundeten auch die Beistellung von geeigneten Begleiterwagen, z.B. in Form von Liegewagen o.ä. zwingend erforderlich gewesen. Über diesbezüglich geplante Vorgehensweisen konnten noch keine Angaben in Erfahrung gebracht werden und auch in den Protokollen der jährlichen K-Zug-Leiter-Tagungen sind dazu keinerlei Angaben zu finden. Offenbar wurden solche Regelungen mit einem höheren Geheimhaltungsgrad getroffen…  
  Und so schließt sich diesbezüglich auch der Kreis zu den Heizkesselwagen, die seit den 70-er Jahren teil der strategischen Reserve des MfV waren: die Heizwagen wären zwingend benötigt worden, da die Behelfsbettenwagen nicht über eine unabhängige Heizanlage verfügten...  
 
 
  Nun könnte der eine oder andere Leser verwundert feststellen, dass die „potentiellen Behelfsbettenwagen“ nicht in meinen Einlassungen zum Umbau der K-Zug-Fahrzeuge im TT-Maßstab auftauchen…
Korrekt – sie tauchen dort nicht: Die Umrüstung von Bmh zu Behelfsbettenwagen war ausschließlich für den Verteidigungsfall vorgesehen. Es ist auch kein Fall bekannt, wo z.B. im Rahmen einer der regelmäßig stattfindenden Mobilmachungsübungen derartiges einmal erprobt worden wäre. Und genau deshalb verbietet sich eine solche Nachstellung unter Beachtung der Aussage „nur im Verteidigungsfall“ von selbst – zumindest für mich.

 
     
     
 
INHALT "K-ZUG"
 


©2004 Burkhardt Köhler