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KATASTROPHENZÜGE DER DR

 
 
EINIGE WORTE VORAB...
 
Katastrophenzüge, kurz und knapp als „K-Züge“ bezeichnet - der Name klingt ganz zivil, allenfalls nach "Zivilverteidung" - der "DDR-Version" des Katastrophenschutzes. Wirklich zivil waren die Züge aber nicht – genau genommen waren es Lazarettzüge - vordergründig für die Sowjetarmee und später auch für die NVA und auch ein bisschen für die Zivilverteidigung. Und nicht geeignet für die „zivile Primärrettung“.
 
Seit längerer Zeit beschäftige ich mich intensiv mit der Geschichte der Katastrophenzüge der DR. Ich hätte die Informationen, die ich hier veröffentlichen kann, nicht ohne die Mitarbeit einiger Eisenbahnfreunde in diesem Umfang liefern können. Allen möchte ich hier nochmals herzlich danken, insbesondere Björn Strähle, Andreas König, Siegmund Siebenhaar, Frieder Bauch, Stefan Sachse, Gyorgy Czeh und Jan Gloger, aber auch allen hier nicht Genannten, die durch Informationen oder durch Verfügung stellen von Bildmaterial zum Gelingen der Seite begetragen haben.
Als ich mit den K-Zügen als "Eisenbahnthema" hier auf meiner Homepage anfing, ahnte ich nicht im Entferntesten, wie umfangreich das Thema einmal werden würde. Dazu beigetragen hat die wenige (eigentlich gar keine) vorhandene Literatur... Mein Ziel ist es, bessere und vor allem stimmigere Daten zu liefern, als das Thomas Dießner mit seiner Broschüre aus seinem DIE-Verlag getan hat.
 
Maschinenwagen, OP-Wagen und Küchenwagen (v.l.n.r.) des ehemaligen K-14 des Bww Jerichow - erhalten im Museums-BW in Salzwedel.
 
Das Thema "K-Züge" ist ziemlich spekulativ. Hier gibt es kein Fahrzeugarchiv mit gesicherten Daten, in dem man schnell mal nachschlagen kann. Nicht alles ist so gewesen, wie es mittels „Mund-zu-Mund-Propaganda“ verbreitet wird oder auch als „Wahrheit“ öffentlich verbreitet wird. Die verfügbare Literatur zum Thema „K-Züge“ geht fast gegen „null“ – genau genommen gibt es nur das „DIE-Archiv“ von Thomas Dießner aus Delitzsch. Diese Publikation hält aber einer inhaltlichen Prüfung leider nicht stand. Und auch ich habe die absolute K-Zug-Wahrheit natürlich nicht für mich gepachtet - aber ich versuche hier eine Darstellung der Geschichte der Katastrophenzüge "nach bestem Wissen und Gewissen". Das Medium "Internet" gibt mir zudem die Chance, neue Erkenntnisse zeitnah einarbeiten zu können - ein gegenüber Drucksachen riesiger Vorteil.
Auch einige eisenbahnliterarische Publikationen, die das Thema "K-Züge" nur am Rande streifen, werden dem Thema selbst als "Nebenschauplatz" inhaltlich leider nicht immer gerecht.
Manchmal geriet bei mir die Bearbeitung des Themas ins Stocken, weil sich mit der Beantwortung einer Frage mindestens zwei neue Fragen ergaben. Oder als sicher geglaubte Fakten verwandelten sich plötzlich, quasi über Nacht, ins Gegenteil.
Eine Quelle - quasi aus dem Nichts - tat sich im Frühherbst 2009 auf und führte nach einer längeren und umfangreichen Diskussion von "Insidern" im November 2009 zu umfangreichen auf der Homepage.
 
Die Geschichte der K-Züge stellt sich als Verquickung von Staat und Staatsbahn einerseits und sowjetischer Besatzermacht und eigenem Militär andererseits dar. Technik, die überwiegend militärisch genutzt wurde und das zivilste daran deren Bezeichnung „Katastrophenzug“ war. Es ist eine politisierte, absonderliche und widersprüchliche Geschichte, deren Wurzeln rein militärischer Art sind. Mitunter wird so ein K-Zug als modernes ziviles Rettungsmittel beschrieben, das medizinisch mit einem Kreiskrankenhaus vergleichbar wäre. Nun ja - das Konzept der K-Züge entsprach in großen Teilen dem der deutschen Lazarettzüge des 1. Weltkrieges, hatte sich im 2. Weltkrieg bewährt und ist deshalb, mit modernerer Technik ergänzt, auch beibehalten worden. Umgeben war das alles mit der in der DDR übliche Geheimnistuerei für alle Dinge und Vorgänge, die irgendetwas mit NVA oder Sowjetarmee zu tun hatten.
 
Die Präsentation beschränkt sich nicht nur auf die Beschreibung der Fahrzeugtechnik und Ausrüstung. Vielmehr sollen auch Informationen bezüglich Personal, Wartung und Instandhaltung, dem Einsatzkonzept und natürlich den Einsätzen selbst geliefert werden.
 
Wer weitere Informationen oder auch Richtigstellungen liefern kann, wird gebeten, sich mit mir in Verbindung zu setzen. Für ergänzende Hinweise bin ich stets dankbar.
     
  Die K-Züge waren keine Züge, denen man täglich begegnen konnte. Häufig waren sie für die Sowjetarmee unterwegs - als Militärtransport – und zur damaligen Zeit war ein Spionagevorwurf gegenüber einem Fotografen nicht außerhalb der Möglichkeiten. Diese Gefahr und der Umstand, dass man für geplante Fahrten nicht selten die "unfotogene Tageszeit" vorsah, sind der Grund für kaum vorhandene Fotos.  
     
 

Die wenigen veröffentlichten Bilder, fast ausschließlich der jüngeren Generationen der K-Zug-Fahrzeuge, zeigen bereits abgestellte Fahrzeuge, fotografiert in den 90-er Jahren. Publikationen, ob auf Papier oder digital im Internet, sind absolute Mangelware. Deshalb auch hier an dieser Stelle viel Text und leider nur einige Bilder - teilweise (aus Copyright-Gründen) per Link auf Pages von Eisenbahnfreunden mit ähnlichem Interessengebiet.
Zur Veranschaulichung der Fahrzeuge muss ich teilweise auf Fahrzeugzeichnungen für den MM-Bildschirmschoner, die mir u.a. Andreas König aus Erkner zur Verfügung stellte, zurückgreifen.

 
     
 
 
 
Das, was auf dem Foto auf den ersten Blick aussieht wie ein „ausgewachsener“ Schnellzug, ist ein K-Zug in der Nähe von Brest-Nord. Nicht als Stammeinheit für Einsätze innerhalb der DDR sondern als Lazarettzug für die Rückführung erkrankter bzw. verletzter Angehörige der Roten Armee auf der Relation Beelitz-Heilstätten – Brest mit einer Vielzahl von Funktionswagen.
 
     
 

Um Geschichte, Technik und Einsätze der Katastrophenzüge geht es hier. Die Gründe für die Entwicklung und Stationierung dieser Züge waren rein militärisch. Und sie sind in technischer Hinsicht ganz eindeutig die unmittelbaren Nachfolger der deutschen Lazarettzüge des 1. und des 2.Weltkrieges. Erst wesentlich später begann man, den K-Zügen neben der zunächst ausschließlich militärischen Nutzung auch Aufgaben im Rahmen der Zivilverteidigung und des Katastrophenschutzes zuzuweisen. Auftraggeber für die Indienststellung der ersten K-Züge im Jahr 1952 war die Sowjetarmee, die schon bald nach Kriegsende für ihre in Deutschland / in der DDR stationierten Truppen (noch 1991 über 330 000 Soldaten und über 200 000 Zivilbeschäftigte und Familienangehörige) Möglichkeiten finden musste, verunfallte bzw. erkrankte Militärangehörige und Zivilbeschäftigte auf dem Landweg in die SU zurückzuführen, da nur wenige Jahre nach Ende des 2. Weltkrieges ein leistungsfähiger Lufttransport noch nicht verfügbar war. Es mussten also Personen in Richtung Sowjetunion verbracht werden, die aus medizinischen Gründen auch während des Transportes medizinischer Hilfe bedurften oder aufgrund psychiatrischer Erkrankungen die Fahrt in Richtung Brest nicht mit einem planmäßigen Militärreisezug antreten konnten oder durften. Dass es hierbei, gerade die psychiatrischen Erkrankungen betreffend, eine Grauzone gab, lassen wir hier außerhalb der Betrachtungen.

 
  In diesem Zusammenhang ist es schon ein ganz klein wenig delikat, dass weder das Deutsche Kaiserreich bis zum Beginn des 1. Weltkrieges und auch Nazideutschland bis zum Beginn des 2. Weltkrieges keinerlei schienegebundene Lazarettfahrzeuge vorhielt...  
     
  Um Missverständnissen von Anfang an vorzubeugen:  
  Um Missverständnissen von Anfang an vorzubeugen: Die hier betrachteten K-Züge haben mit den durch die Bahnbetriebswerke vorgehaltenen Hilfszügen nichts zu tun, auch nichts mit den Arztwagen, die eine Zeit lang an ausgewählten Standorten den Hilfszügen beigestellt werden konnten.  
     
  Nicht die technische Hilfeleistung (z.B. bei Entgleisungen, Fahrzeugschäden und großen Bahnbetriebsunfälle) mittels Hilfszug ist hier das Thema und auch nicht die Primärrettung (im medizinischen Sinne), sondern der Transport einer größeren Anzahl von Geschädigten im militärischen und teilweise auch im zivilen Bereich, denen bereits eine medizinische Grundversorgung zuteil geworden war, aber dennoch unter medizinischer Aufsicht erfolgen musste. Konkret waren das vor allem Einsätze in Zusammenhang mit kriegerischen Auseinandersetzungen, zur medizinischen Sicherstellung von Militärmanövern und auch die versorgungsmäßige und medizinische Absicherung von politischen Massenveranstaltungen (Weltfestspiele, Sportfest u.ä.).  
  Und im zivilen Bereich?  
  Ja – es gab auch zivile Einsätze, aber die waren anderer Art, als man im Hinblick auf die vorgehaltenen OP-Wagen denken wird.
Wenn den wenigen Personen, die um die Vorhaltung der Züge wussten suggeriert wurde, dass das Einsatzspektrum auch im zivilen Bereich bei schweren Havarien bzw. Unfällen mit einer großen Zahl an Verletzten, bei denen der Aufwand für den Abtransport der Verletzten die logistischen und personellen Möglichkeiten der örtlichen Rettungskräfte überfordert hätte, liegen sollte, dann war das nicht wirklich die Wahrheit.

 
  Für die Notfallrettung bei Massenunfällen waren die K-Züge jedenfalls nicht konzipiert – und auch nicht dazu geeignet.  
   
 

Wer sich für den technischen Hilfeleistungsbereich interessiert, findet hier auf der Homepage von Heiko Krolupper interessante und umfassende Informationen zu den Vorbildern als auch zur modellmäßigen Umsetzung von Hilfszügen.

 
     
 
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©2004 Burkhardt Köhler