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KATASTROPHENZÜGE DER DR

 
 
VORGESCHICHTE: DIE LAZARETTZÜGE
 
Bevor es um das eigentliche Thema – die Katastrophenzüge der DR – geht, soll zunächst ein Ausflug in die Geschichte des eisenbahngestützten Sanitätswesens unternommen werden. Ein Thema, dass fast ausschließlich militärisch ist – und zivil beginnt:
1857 wurden in Frankreich einzelne Eisenbahnwagen mit Einrichtungen versehen, um Kranke aus einem Lager in ein Lazarett im nahen gelegenen Chalons sitzend oder liegend verbringen zu können...
 
In der Frühzeit der Eisenbahn war das Interesse der Militärs an den Eisenbahnen und deren Transportmöglichkeiten zunächst nur gering ausgeprägt, da noch keine zusammenhängenden Netze existierten und die bahntechnische Infrastruktur für militärische Belange noch nicht leistungsfähig genug war. So spielte auch die Eisenbahn als Transportmittel für im Rahmen kriegerischer Auseinandersetzungen verwundete oder erkrankte Soldaten noch keine Rolle, weder in Europa noch in Nordamerika. Und auch die lokalen Beschränktheiten der Kriege dieser Zeit in Europa machten Verwundetentransporte mit der Eisenbahn nicht erforderlich. Diese Bemerkung mag manchem unangemessen und anmaßend erscheinend – aus militärlogistischer Sicht ist dem aber so gewesen...
1861 wurden in Preußen Richtlinien für den Verwundetentransport mit der Eisenbahn aufgestellt, die bis zum Jahr 1869 gültig blieben: Die „Anleitung zur Ausführung der Beförderung verwundeter und kranker Militärs auf Eisenbahnen vom 1. Juli 1861“. Die Anleitung sah den sitzenden Transport leichtverletzter und gehfähiger Personen mit normalen Reisezugwagen und für nichtgehfähige Personen den Transport in gedeckten Güterwagen (notfalls auch offenen Güterwagen) auf von Feldlazaretten verwendeten Strohsäcken (quasi die Vorläufer der Krankentragen) vor. Eine Beheizung bzw. Belüftung der Wagen und eine Beköstigung der Verwundeten und Kranken war nicht vorgesehen.
 
Im Sezessionskrieg (Amerikanischer Bürgerkrieg) von 1861 bis 1865 wurden für den Verwundetentransport aus den Kampfgebieten ins Hinterland für den Verwundetentransport speziell hergerichtete Personenwagen und zugehörige „Funktionswagen“ planmäßigen Reisezügen beigestellt. Dass auch das keine sonderlich günstige Lösung war, hatte man in Nordamerika sehr schnell erkannt. Fortan gab es eigenständige Züge für den Verwundetentransport – diese fuhren teilweise bis direkt ins Kampfgebiet.
In Europa blieb es vorerst bei den improvisierten Transporten, bis im Deutsch-Österreichischen Krieg von 1866 die Österreichische Nordbahn in Böhmen zum Verwundetentransport einen Zugverband aus gedeckten Güterwagen einsetzte, dessen Wagen zum Transport von je 16 Krankentragen - hängend an Lederriemen – ausgerüstet waren.
 

1867 empfahl die „Berliner Militär-Sanitätskonferenz“ dringend die Einrichtung von Krankenwagen nach amerikanischem Vorbild und deren Zusammenstellung zu geschlossenen Lazarettzügen. Dem stand aber in Europa zunächst die fast ausschließliche Verwendung von Abteilwagen entgegen, während die nordamerikanischen Bahngesellschaften von Anfang an als Personenwagen Durchgangswagen bevorzugten,. In Preußen wurden deshalb vorerst 60 Personenwagen der 4. Klasse in Durchgangsbauart in Dienst gestellt. Sie erhielten ab Werk Vorrüstungen, die die Aufnahme von je 12 federnd aufgehängten Tragen für Kriegszwecke möglich machten. Sie verfügten über offene, abklappbare Bühnen mit Übergängen zwischen den Wagen. Ein erster aus derartigen Wagen gebildeter Lazarettzug ging in Preußen 1867 in Betrieb. Auf spezielle Heiz- und Belüftungsmöglichkeiten wurde damals noch verzichtet. Als „Lebens- und Labemittel“ war die Mitführung von Zwieback, englischem Biskuit, Wein, Rum oder Arrak empfohlen. Die Bereitung von warmen Getränken im Wagen war möglich. Des Weiteren wurden Verbandsmittel sowie einige Instrumente und Medikamente mitgeführt.

 
     
  Im deutsch-französischen Krieg 1870/71 kamen diese preußischen Lazarettzüge erstmals zum Einsatz. Württemberg stellte kurz nach Kriegsausbruch erste spezielle Sanitätszüge in Dienst. Und auch in den anderen deutschen Länder kamen im Laufe des Krieges Sanitäts-, Spital- oder Lazarettzüge in Betrieb, die teils staatlich, teils von Vereinen und auch in einigen Fällen von Privat finanziert und zum Einsatz gebracht wurden. 1870/71 sind auf deutscher Seite insgesamt 36 solcher Züge aufgestellt worden. Ausrüstung und Ausstattung der Züge wurden entsprechend den gemachten Erfahrungen mehrfach verbessert bzw. geändert. Diese im Kriegseinsatz befindlichen Sanitätszüge stellten letztendlich Formationen dar, die dazu geeignet und befähigt waren, die aufgenommenen Verwundeten und Kranken „für längere Zeit zu beherbergen, angemessen zu verpflegen und auf weite Entfernungen hin den heimatlichen Pflegestätten zuzuführen“ (Quelle: Die Deutschen Sanitätszüge im Kriege gegen Frankreich 1870/71). Die Züge unterschieden sich hinsichtlich des eingesetzten Wagenmaterials, der beigestellten Funktionswagen und der Transportkapazität – stellvertretend sei hier nur auf die Staatlichen Preußischen Sanitätszüge Nr. I bis IX eingegangen. Jeder dieser Züge bestand aus:  
  20 Krankenwagen mit je10 Tragen  
  1 Küchenwagen  
2 Depotwagen (Vorratswagen)
1 Wagen für Verwaltung und Apotheke
1 Arztwagen
1 Wagen für weibliches Pflegepersonal
1 Wagen für Brennstoffe
1 Gepäckwagen
Mit folgender vorgeschriebener Wagenreihung:
Wagen 1 = Gepäckwagen
Wagen 2 = Hauptdepotwagen
Wagen 3 = Arztwagen
Wagen 4 bis 13 = Krankenwagen
Wagen 14 = Depotwagen
Wagen 15 = Küchenwagen
Wagen 16 = Verwaltungswagen
Wagen 17 bis 26 = Krankenwagen
Wagen 27 = Wagen für das weibliche Pflegepersonal
Wagen 28 = Brennmaterialwagen
     
 

Die Züge wurden teilweise durch normale Personenwagen für den sitzenden Transport gehfähiger Leichtverwundeter ergänzt.
Sämtliche Wagen trugen zur äußeren Kennzeichnung das Rote Kreuz auf weißem Grund. Mit Bremsen versehene Wagen waren besonders kenntlich gemacht, da Schwerverletzte nicht in gebremsten Wagen transportiert werden sollten.
Dem Durchgangswagensystem wurde fortan der Vorzug eingeräumt.

 
     
 

Bezüglich der Anzahl der während des Deutsch-Französischen Krieges 1870/71 mit den Sanitätszügen durchgeführten Transporte liegen nur für 30 der 36 Züge Angaben vor. Mit diesen 30 Zügen wurden 176 Fahrten durchgeführt, bei denen 37725 Kranke und Verwundete in die Lazarette in Deutschland überführt wurden.

 
  Für alle, die sich umfassender für die Urahnen der deutschen Lazarettzüge interessieren, sei das Buch „Die Deutschen Sanitätszüge im Kriege gegen Frankreich 1870/71“ empfohlen, das im Jahre 1984 als Reprint des von der Militär-Medizinal-Abteilung des Königlich Preußischen Kriegsministeriums 1886 herausgegebenen Originals im Archiv-Verlag Braunschweig erschienen ist. Ich konnte ein Reprint-Exemplar recht preiswert bei ebay erstehen, dem ich die vorstehenden Angaben entnommen habe.  
     
  Als "Erfinder" der Lazarettzüge des 20. Jahrhunderts gilt der seinerzeit in Berlin ansässige jüdische Urologe James Israel, geboren am 02.02.1848 in Wien. Anfang des 1. Weltkrieges entwickelte er einen Laz-Zug, in dem auch während der Fahrt operiert werden konnte und leitete im Jahr 1915 auch dessen ersten Einsatz. Damit wurde quasi eine neue Qualitätsstufe erreicht – vom bis dahin vorherrschenden „Verwundetentransportzug“ zum wirklichen „Lazarettzug“. Diese Züge wurden gebildet aus 2- bzw. 3-achsigen Bettenwagen für den Verletztentransport, Behandlungswagen und Unterkunftswagen für das medizinische und eisenbahntechnische Personal der Züge, die aus geeigneten Reisezugwagen entsprechend umgebaut worden waren, aus Küchenwagen, die in der Regel durch den Umbau von Gepäckwagen entstanden und aus Vorratswagen. Als Vorratswagen dienten Güterwagen, modifiziert u.a. durch Ausrüstung mit einer Dampfheizleitung.
Im Gegensatz zu den Sanitätszügen des Krieges von 1870/71 dominierten nicht mehr die „staatlichen“ Züge, sondern von Stiftungen finanzierte und ausgerüstete „Vereinslazarettzüge“, die auf der Grundlage von Vorschriften der Medizinischen Abteilung des Kriegsministeriums zusammengestellt, umgebaut und ausgerüstet wurden.
 
  Die deutschen Laz-Züge bestanden aus jeweils 38 Wagen mit 80 Achsen, im Einzelnen waren das:  
  25 2-achsigen Krankenwagen für je 10 Verwundete mit offenen Bühnen, umlegbarem Plattformgeländer und doppelflüglichen Stirnwandtüren (ex D2i)  
einem 2-achsigen Offizierskrankenwagen für 8 Verwundete
einem 3-achsigem Chefarztwagen (ex BC3i)
einem 3-achsigem Arztwagen (ex BC3i)
zwei 2-achsigen Mannschaftswagen mit je 12 Betten
einem 2-achsigem Küchenwagen (ex D2i)
einem 2-achsigem Verbands- und Apothekenwagen
einem 2-achsigem Vorratswagen Nr. 1 für Küchenvorräte
einem 2-achsigem Vorratswagen Nr. 2 mit Zugführerabteil
zwei 2-achsigen Magazinwagen
  zwei 3-achsigen Heizwagen und  
  einem 2-achsigem gedeckten Güterwagen (G10).  
  Alle Wagen verfügten über Gasbeleuchtung.  
     
 
 
 
Auch rechtlich hier zeigbare Fotos sind natürlich eine schwierige, kaum lösbare Sache... Deshlb helfen da nur Modellbahn-Fahrzeuge. Vor einiger Zeit bot die Fa. Tillig im Maßstab 1:120 ein Laz-Zug-Set aus der Zeit des 1. Weltkrieges an. Leider waren nur 2 der im Set befindlichen Wagen vorbildgerecht. U.a. dieser 4.Klasse-Wagen Ci pr93, der in den Vereinslazarettzügen Als Bettenwagen für Mannschaftsdienstgrade Verwendung fand... Carsten Oels aus Dresden stellte mir die Fotos von seinem Laz-TT-Set zur Verfügung...
 
     
 
 
 
Nicht wie angeschrieben als "Spezialwagen, sondern als Vorratswagen Nr.1 für Küchenvorräte liefen solche Fahrzeuge tatsächlich in den Laz-Zügen des 1. Weltkrieges.
 
     
 
 
 
Den Citr pr05 gab es im 1. Weltkrieg nicht als Küchenwagen - auch wenn Tillig in seinem Set den Modellbahnern etwas anders suggeriert...
 
     
 
 
 
Ci pr93 gab es auch nicht als Chefarztwagen - dazu verwendete man 3-Achser BC3ü pr04 - aber als Unterkunftswagen für die Mannschaftsdienstgrade der Laz-Züge waren solche Wagen in Verwendung....
 
     
  Die Mannschaftskrankenwagen für den Transport von je 10 Verwundeten entstanden vorwiegend aus 2-achsigen Durchgangswagen 4. Klasse der KPEV (D2i). Die Wagen erhielten an den Plattformen umlegbare Geländer und doppelflügelige Stirnwandtüren. Die Krankentragen wurden federnd aufgehängt und die Belüftung der Wagen über den Oberlichtaufbau gewährleistet. Offizierskrankenwagen verfügten nur über 8 Plätze, waren aber ansonsten den Mannschaftskrankenwagen baugleich.  
  3-achsigen Durchgangswagen der Bauart BC3i-pr04 waren die Spender für Arzt- und Chefarztwagen. Der Chefarztwagen diente als Unterkunftswagen für den Chefarzt und den Begleitoffizier des Lazarettzuges sowie als Arbeits- und Unterkunftsraum für den Rechnungsführer (Hauptfeldwebel). Der Arztwagen bot den beiden Assistenzärzten und 4 Krankenpflegerinnen Unterkunft.  
  Die Sanitätskolonne hatte ihre Unterkunft in den beiden Mannschaftswagen.  
  Der medizinischen Versorgung der Verwundeten erfolgte im sog. Verbands- und Apothekenwagen. Diese Bezeichnung wurde seinem Verwendungszweck deutlich besser gerecht, als die später bei den Laz-Zügen im 2. Weltkrieg und den K-Zügen der DR gebräuchliche Bezeichnung „OP-Wagen“. Der Verbandsraum nahm den größten Raum dieses Wagens ein, und nur ein kleiner Raum diente dem Aufenthalt des dienstfreien Begleitpersonals. Die Ausstattung des OP-Raumes entsprach dem medizinischen Standart der damaligen Zeit und nahm im Gegensatz zu den späteren OP-Wagen mit einer Art „Seitengang“ die gesamte Wagenbreite ein.  
  Der Küchenwagen, umgebaut wiederum aus einem Personenwagen 4.Klasse (D2i) bildete mit dem Vorratswagen-1 (ex G10) eine funktionelle Einheit. Der Küchenwagen war u.a. mit einem großen Herd, 2 Kochkesseln und 2 Eisschränken (auf einer der beiden Plattformen) durchaus funktionell ausgerüstet. Ein Wasserkasten von 900 Litern Inhalt diente der Deckung des Wasserbedarfs im Küchenbereich. Die Küchenvorräte lagerten in erster Linie Vorratswagen-1 und teilweise auch im Vorratswagen-2. Dieser diente dem Zugführer als Arbeits- und Unterkunftsraum und besaß weiterhin einen Werkstattraum.
 
  Im Magazinwagen war der Wäschevorrat untergebracht. Des Weiteren diente er als Unterkunftswagen für das bahntechnische Personal.
Brennstoffe und Desinfektionsmittel wurden in einem gedeckten Güterwagen mitgeführt.
Alle Wagen waren an den Seitenwänden und wegen der zunehmenden Bedrohung aus der Luft auch auf den Dächern mit Rotkreuzzeichen kenntlich gemacht und trugen seitliche Anschriften mit ihrem Verwendungszweck.
 
  Ein (preußischer) Vereinslazarettzug hatte eine Kapazität von 258 Verwundeten. Das Begleitpersonal bestand aus 46 Personen: Chefarzt, 2 Assistenzärzte, Begleitoffizier, Rechnungsprüfer, 27 Krankenpfleger, 4 Krankenpflegerinnen, Diener und Koch. Dazu 6 Betriebseisenbahner und ein Schlosser.  
     
Mit den Vereinslazarettzügen des 1. Weltkrieges war ein medizinisch-logistisches System geschaffen worden, das bezüglich Struktur, Aufbau und Verwendung der Wagen bis zur Abstellung der mit Funktionswagen ergänzten K-Züge in den 90-er Jahren in großen Teilen unverändert blieb – nur der Maschinenwagen der K-Züge war ein wirkliches Novum. Dazu später an geeigneter Stelle mehr...
 
Interessierten Lesern sei die Lektüre zum Vereinslazarettzug J2 im Eisenbahnkurier 09/2002 empfohlen.
Einige Fotos von Lazarettzügen des 1. Weltkrieges finden sich unter den folgenden Links:
 
http://images.library.wisc.edu/History/EFacs/WWIArchives/gbatlas/gbatlasv1/M/0036.jpg
http://images.library.wisc.edu/History/EFacs/WWIArchives/gbatlas/gbatlasv1/M/0037.jpg
http://images.library.wisc.edu/History/EFacs/WWIArchives/gbatlas/gbatlasv1/M/0038.jpg
http://images.library.wisc.edu/History/EFacs/WWIArchives/gbatlas/gbatlasv1/M/0039.jpg
 
  Auch die während des 2. Weltkrieges eingesetzten Züge entsprachen dem Israel’schen Konzept. Vor dem 2. Weltkrieg hatte die Deutsche Wehrmacht keine ständigen Lazarettzüge im Bestand. Erst im August 1939 wurde ein erster Lazarettzug entsprechend der H.DV. 21 (KSTN 1371) gebildet.  
  Die Heeresdienstvorschrift unterschied folgende Arten von Lazarett-Zügen:  
  - Lazarettzüge (große Lazarettzüge)  
  - Lazarettzüge "b" (kleine Lazarettzüge)  
  - Leichtkrankenzüge (große Leichtkrankenzüge)  
  - Leichtkrankenzüge "b" (kleine Leichtkrankenzüge).  
  Sie dienten dem Transport von Verwundete von den Krankensammelstellen der Armeen zu den Kriegslazaretten der Heeresgruppen oder in die Reservelazarette im Heimatgebiet.  
  Zum Zeitpunkt des Kriegsausbruchs standen 24 Lazarettzüge und 16 Leichtkrankenzüge zur Verfügung, die im Rahmen der Mobilmachung aufgestellt wurden. Der zum damaligen Zeitpunkt geringe Transportbedarf für Verwundete konnte mit nur wenigen Fahrten abgesichert werden.  
  Für einen Lazarettzug war folgende Wagenreihung festgelegt, die aber vom Chefarzt bedarfsweise geändert werden konnte:  
  Wagen 1 = Gepäck- und Wirtschaftsvorratswagen  
Wagen 2 = Offizierskrankenwagen für 8 Kranke
Wagen 3 bis 16 = Mannschaftskrankenwagen für 11 Kranke
Wagen 17 = Wagen für Sanitätsmannschaften für 10 Personen
Wagen 18 = Beiwagen nur während der Freizeit
Wagen 19 = Arzt- und Verwaltungswagen für 2 Militärärzte und 1 Verwaltungsbeamten
Wagen 20 = Operations- und Apothekenwagen
Wagen 21 = Küchen- und Küchenvorratswagen
Wagen 22 = Wagen für Sanitätsmannschaften für 10 Personen
Wagen 23 bis 36 = Mannschaftskrankenwagen für 11 Kranke
Wagen 37 = Beiwagen nur während der Freizeit
  Bei den Fahrzeugen handelte es sich offenbar vorwiegend um 2-achsige Fahrzeuge. Zu diesem Zeitpunkt bevorzugte man aber bereits 4-achsige Fahrzeuge als Spenderfahrzeuge.  
     
  Zu Beginn des Westfeldzuges waren 30 Lazarettzüge und acht Leichtkrankenlazarettzüge einsatzbereit. Auch hier reichten deren Kapazitäten völlig aus – die Fahrstrecken waren nur kurz und die Anzahl der zu transportierenden verwundeten Soldaten blieb im erwarteten Rahmen.  
  Mit Beginn des Norwegenfeldzuges verlängerten sich die Fahrstrecken erheblich. Es zeigte sich, dass die Lazarettzüge vordergründig dem Transport von bereits medizinisch grundversorgten verwundeten Soldaten unter ärztlicher Leitung dienten und keine Lazarette im eigentlichen Sinne waren – eine Erkenntnis, die - wie wir noch sehen werden - auch heute noch (oder wieder) gern in einigen Publikationen bezüglich der K-Züge in Zweifel gezogen wird.  
  Dramatisch wurde die Situation mit dem Überfall Deutschlands auf die Sowjetunion. Die Fahrstrecken verlängerten sich nochmals drastisch und Breitspur und russischer Winter taten ihr Übriges. Heizwagen wurden unabdingbar notwendig.  
     
  Für den Oktober 1941 sind 82 Lazarett- und Leichtkrankenzüge verzeichnet.
Am 25.04.1944 waren 82 Voll-Laz-, 33 gemischte Laz-Züge und 4 behelfsmäßige Laz-Züge im Einsatz. Teilweise wurden auch Fronturlauberzüge zum Verwundetentransport eingesetzt.
 
Insgesamt wurden auf deutscher Seite während des Krieges 137 Lazarettzüge, 26 Leichtkrankenzüge und 67 Behelfslazarettzüge aufgestellt.
 
Mir liegt ein Wagenverzeichnis des Laz-Zuges 655 aus der Zeit des 2. Weltkrieges vor, wonach dieser eine Transportkapazität von 435 Betten für liegende Verwundete hatte. Der Zug bestand aus 24 Wagen (94 Achsen), Zugmasse 862t, Zuglänge 484m:
Wagen 1 = Kühlwagen (Gkrhs)
Wagen 2 = Packwagen (Pw4i)
Wagen 3 = Offizierskrankenwagen (C4i)
Wagen 4 bis 10 = Mannschaftskrankenwagen M9 - M15 (C4i)
Wagen 11 = Schlafwagen (WL)
Wagen 12 = OP-Wagen (B4i)
Wagen 13 und 14 = Heizwagen
Wagen 15 und 16 = Küchenwagen (Pw4i)
Wagen 17 bis 24 = Mannschaftskrankenwagen M1 - M8 (C4i)
 
 
 
 
Der C4i (hier: C4i-30) war DER Laz-Wagen im 2. Weltkrieg und sollte es auch in den K-Zügen der 1. Generation bei der DR viele Jahre bleiben. Diesen abgängigen C4i-30-Bahndienstwagen fand ich im Jahr 2006 in Staßfurt...
 
     
 
 
  Als es dann weniger nach Endsieg als nach katastrophaler Niederlage aussah, fanden sich dann auch immer weniger Volllazarettzüge und mehr Hilfslazarettzüge. In ihnen liefen dann vor allem die Güterwagen der Bauart "Oppeln" als Krankenwagen... Der Wagen auf dem Foto ist natürlich kein Laz-Wagen, sondern ein ausgemusterter Bahndienstwagen auf der Basis eines Güterwagen der Bauart "Oppeln"... Löbau, 2005.  
     
     
 

Wer etwas mehr über die im 2. Weltkrieg eingesetzten Lazarettzüge erfahren möchte, findet unter http://www.lexikon-der-wehrmacht.de/Gliederungen/Lazarettzuge/Lazarettzug-R.htm einige Informationen.

 
     
 
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©2004 Burkhardt Köhler